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A Perfect Circle |
eMOTIVe |
Da staunte ich nicht schlecht, als ein Bekannter von mir, der in einem kleinen Indie Laden sein Geld als Verkäufer verdient, so mir nichts dir nichts die neue A Perfect Circle unter der Theke hervor zaubert. Die Hülle, ein Digi Pack, links verziert mit japanischer Schrift. Ahhhh, ein Japan Import! Dort (wie auch übrigens in den Vereinigten Staaten) ist die Cd nämlich schon seit gut drei Wochen als Promo im Umlauf. Fünf Stück hat der gute Mann ergattert, eine wanderte natürlich direkt in meinen Besitz. Aber gut, lassen wir das und wenden uns lieber der Musik zu. ![]() eMOTIVe heisst das neue Album, ist ein Konzept Werk und wird regulär zum 1. November, also einen Tag vor der US-Wahl erscheinen. Ein naheliegender Termin, denn das schon erwähnte Konzept ist hierbei "Love, Peace and War". Dazu gibt es zwölf Songs, wobei zehn davon Neuinterpretationen bekannter Stücke sind, hauptsächlich von Künstlern der 60/70ér Jahre. Ich vermeide hier nun doch das gern genutzte Wort Cover-Versionen, denn wie ich im weiteren Verlauf noch ausführlicher beschreiben werde, klingen die alten-neuen Songs kaum mehr ihrem Vorbild entsprechend. Nein, sie bieten Eigenständigkeit und haben ihren ganz eigenen Vibe. Der eigentliche Sound orientiert sich sehr am letzten Studioalbum Thirteenth Step, ist aber an manchen Stellen ein wenig elektronischer, experimenteller und sogar tiefsinniger geworden. Die neuen Komponente sind aber allesamt gering und im Detail eingesetzt worden, so das der Fan des letzten Albums nicht wirklich bangen muss. Kurz; wer den alten Sound mochte wird, nach kurzer Einarbeitungszeit, wohl auch den Neuen mögen. Mit dem aussergewöhnlichsten, experimentellsten Song wird direkt eröffnet. "Annihilation", im Original ein sehr deftiger New York HC Brecher der amerikanischen Punks Crucifix mutiert unter Anleitung von Mastermind James Keenan zu etwas völlig anderem. Einzig geflüsterte Vocals, ein Glockenspiel und vereinzelnte Akustik Tönne reichen aus, um eine düster - bedrohliche Atmosphäre zu erzeugen. Unter der Oberfläche brodelt es aber gewaltig. Eine ruhige Brutalität, die ihrem Vorbild in Sachen Wut und Hass in keinster Weise nachsteht. John Lennons "Imagine" besitzt in der Neuinterpretation eine etwas veränderte Rythmik (wie die meisten Neuinterpretationen auf der Scheibe). Unter Umständen fällt also einigen nicht direkt auf, dass es sich hier um einen der grössten Hits, des bekannten Singer/Songwriters handelt. Unterstützt wird die sehr schöne Version, neben typischen Instrumenten, noch von wunderschönen Streichern, Klavier und Cello. Highlight! Das fünfminütige "(Whats so Funny ‘Bout) Peace Love & Understanding" schlägt in eine ähnlich ruhige, wenn auch wieder eher bedrohliche Kerbe. Brinsley Schwarz Version ist dagegen ein fröhlicher Kindergeburtstag. Übrigens singt bei dieser Nummer nicht wie gewohnt James Maynard Keenan, sondern der erste Mann an der Gitarre, Billy Howerdel, welcher seine Sache sehr gut macht. "Whats Going On", ein wirkliches Highlight auf der Platte, im Original von Marvin Gaye rührt in dieser neuen Version zu Tränen. Der Sound erinnert hier sehr an Sigur Ros in schnell + düster. Sphärisch gleiten da Gitarren und Keyboard an- und in einander. Maynards wundervoll ruhige Vocalarbeit gibt dem Treiben noch den letzen Schliff, fertig ist eine grandiose Neuinterpretation, von der man wohl noch in 10 Jahren nur gutes sprechen wird. Achja, im netten Recycling Reigen gibt es auch noch zwei neue Songs zu hören. Zum einen hätten wir da "Passive", einen typischen A Perfect Circle Song der alten Schule, sprich einer, der auch auf der ersten Scheibe, Mer De Noms noch seinen Platz gefunden hätte. Typische Trademarks, geht bisweilen eingängig gut nach vorne und lockert die bis dato Gehörte, sehr ruhige Atmosphäre ein wenig auf. Zweiter im Bunde ist Track 10 mit Namen "Counting Bodies Like Sheep to the Rhythm of the War Drum". HA, mögen jetz manche Fans des Vorgängerwerks rufen ... Das ist doch eine Textzeile des Songs "Pet". Richtig! "Counting Bodies ... " ist im Grunde auch nix anderes als eine Remix Version von "Pet". Das Ganze erinnert ein wenig an die wirklich grossartigen Remix Arbeiten eines Trent Reznor (NIN) bzw. generell an dessen alten Kompositionen. Will heissen, nettes Elektrogefrickel, dazu Industrial-Lärm verbunden mit metallischen Gitarren und knallharten Drums/Computerbeats. Für den ein oder anderen sicher ein wenig gewöhnungsbedürftig, aber qualitativ wirklich nicht schlecht. Black Flags Punk Hc Kracher "Gimme Gimme Gimme" verwandeln A Perfect Circle in eine krachige, ein wenig an das neue Tom Waits Zeug erinnernde Rock Nummer mit monotoner (aber ohrwurmträchtiger) Kirmesmelodie. Klingt ungewöhnlich? Ist es auch. "People are People" (Depeche Mode) ist sehr elektronisch angehaucht. Ein hübsches Glockenspiel leitet ein, Billy Howerdel singt, begleitet von Keyboard und anderen typischen Wave Themen. Im Refrain dominiert ein sehr quirliger Bass und zwischendrin, immer wieder das nette Glockenspiel. Die neue Version klingt natürlich wieder völlig anders als das Original (wer hätte das gedacht), nett aber nicht überwältigend. Ein wenig anders dagegen "Freedom of Choice" (DEVO), ein typischer APC Rocker. Billy singt zum dritten (und auch letzten) mal, dazu ein straightes Arrangement aus leicht verzerrten Gitarren, zirpendem Bass und knallharten Drums. Wirklich nett, lockert mal wieder das Geschehen auf. "Let´s Have a War", wieder ein Song aus dem HC Punk Lager, im Originalen intoniert von Fear, entwickelt sich zu einer hektischen, aber definitiv grossartigen Angelegenheit. Zackige Breakbeatdrums, wirklich sehr netter Rythmus, zwischenzeitlich immer wieder treibende Gitarren, gute Vocal Arbeit seitens Keenan incl. einem sehr atmosphärischem Chor im Refrain. Hut Ab. Hüte stapeln kann man dann aber für die nächste Nummer; die Neuinterpretation von Memphis Minnie’s "When the Levee Breaks" (die bekannteste Version, dürfte aber wohl jene, von Led Zeppelin sein). Absolut fantastisch, was Maynard und seine Mannen hier vollbracht haben. Aus dem sehr treibenden Blues Rock, wurde eine bezaubernde, zum heulen schöne Jazz Nummer gezimmert. Klavier, leichte Akustik, Bass, Schlagzeug und die sehr ungewöhnlich hoch gesungenen Vocals ergänzen sich hier perfekt. Gaaanz ganz grosses Kino. Joni Mitchell’s "Fiddle and the Drum" beendet das Album. Maynard singt, mit Hilfe von Computer auf vervielfachten Gesangsspuren, das komplette Stück a cappella. Hat einen durchaus sakralen Charakter und ist aufgrund der gesanglichen Fähigkeiten Keenans auch wirklich äusserst nett anzuhören. Nun zur eigentlichen Bewertung. Musikalisch gesehen gehen alle Neuinterpretationen sowie die beide Neuen Dinger in Ordnung. Es gibt sechs Highlights und genau so viele gute - befriedigende Songs, grottiges findet man (zum Glück) nicht. Zusätzlich muss man aber natürlich in der Wertung beachten, dass APC sich hier in der Überzahl an bereits bekannten Songs vergriffen haben, die zwar eigen, originell, kurzum wirklich grossartig neu aufgelegt, aber eben im Kern nicht neu erfunden wurden. Eine Höchstwertung würde ich da, bei aller Liebe, also eh nicht geben. Schlussendlich bleibt eine 8,5 (und für APC Fans, die direkte Kaufempfehlung ).PS: Ja, hässliches Cover. Untypisch pathetisch für APC. Dafür gab es jetz aber keinen Punktabzug. ![]() 8,5/10 |
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| Third Eye | VÖ: 2004 |