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Bohren und der Club of Gore

Black Earth

Bohren und der Club of Gore - Black EarthDie fieseste und dunkelste Mucke aller Zeiten wird nicht durch Black, Speed, Gothic oder Thrash -Metal intoniert. Nein! Es sind vier ganz gewöhnlich ausschauende Burschen, die suizid gefährdeten Menschen den letzten Ansporn geben können, um nun wirklich den Abzug des Revolvers ganz durch zu drücken. Bohren und der Club spielen nicht irgendwas einfach defenierbares. Sie spielen Lynch'ianischen Slo-Mo-Barjazz mit morbider Taxi-Driver Attitude, getaucht im tiefstem Moll und dem schwärzesten Schwarz das die Welt jemals gehört und gefühlt hat. Kurz: Horror-Jazz.

Anders als man es nämlich sonst von den ganz ganz bösen dieser Welt erwartet, spielen Bohren keine schnellen Riffattacken runter und grunzen böse dazu, ... ganz im Gegenteil. Keine Vocals, keine heavy Guitars, keine knallenden Drums, keine Speed-Orgien... was zur Hölle bleibt dann noch? Bass, Saxophon, Klavier, akustische Gitarre etc. Die Instrumentierung entspricht also der einer typischen Jazz-Band und ja, im groben sind sie das eben auch.

Bohren versuchen den Hörer anders zu packen. Sie verweigern sich jedem Ansatz von Schnelligkeit, bannen jeden Moment der Hoffnung aus ihren pechschwarzen Klanggeschöpfen und zelebrieren in ihren rein instrumentalen Songs das, was vom Menschen nach einer langen Nacht mit zermürbenden Gesprächen und viel Alkohol übrig bleibt. Es entstehen bemerkenswert düstere und beklemmend, äusserst monotone Kompositionen die in ihrer Intensität kaum greifbar scheinen. So etwas wie Melodien? Ja, gibt es auch. Viel mehr orientieren sich Bohrens Gebilde im Grundstock aber an denen von Godspeed You! Black Emperor oder auch Mogwai, bei denen man einfach Musik aus einem Guss bekommt. Die eher das berühmte Kino im Kopf einschalten, mehr als Hintergrundmusik im positiven Sinne dienen, um den Zuhörer tief in seinen Gedanken versinken zu lassen. Dabei entsteht eine Bildgewalt, die selbst oben genante Referenz-Bands in den Schatten stellt.

Bei Bohren beherrschen Passagen fortwährender Stille oder sehr ruhiger Momente ganze "Songs". Aber gerade diese Spannungen wirken, kann man sich auf das Konzept einlassen, unglaublich intensiv, man könnte fast schon sagen zermürbend auf die eigene Seele. Die Songs einzeln in Worte zu fassen ist quasi ein unmögliches Unterfangen. Wer antesten möchte, sollte sich an den ersten Track, "Midnight Black Earth" halten, welcher, meiner Ansicht nach alle wichtigen Trademarks dieser Band auf den Punkt bringt. Erwähnenswert ist noch, dass Track 6 ("Constant Fear") sowie 7 ("Skeletal Remains") ein wenig heraus stechen, ob nun positiv oder neagtiv muss jeder für sich entscheiden, da sie im Kontext einer Bohren Komposition schon fast flott zur Sache gehen. Eine gute Sache, wie ich finde, weil es beim Zuhörer doch ein wenig Erleichterung schafft. Gleich im Anschluss fährt "The Art of Coffins" allerdings wieder gerade wegs in den seelischen Abgrund, für manche vielleicht schon zu tief...

Eine Platte die Angst macht, zumindest mir. Gefallen wird sie vermutlich nur ganz ganz wenigen Menschen, die das jetzt hier lesen. Da die Platte stark situationsabhängig ist (für die gute Laune ist es der reinste Killer), vergebe ich eine gute 8.

Übrigens: alle vier Mitglieder von Bohren kommen aus der ehemaligen Live Band von ... Helge Schneider. Lasst euch das mal durch den Kopf gehen...

8/10
Third Eye