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Beck

Sea Change

Beck - Sea ChangeBis zu diesem Album kannte man den Querdenker Beck eher als (Musik)-Unterhalter für ausgelassene Partys. Man siehe meine Rezi zu Midnite Vultures. Beck scheint mit seiner neusten Veröffentlichung, Sea Change, nun völlig neue Wege beschreiten zu wollen. Vom neuen Sound her hat es den Anschein, als wenn er nun endgültig in die musikalische Grossstadt gezogen ist, auch wenn es doch zum grossen Teil nun der Folk betonte Countryblues ist, der seinen Sound bestimmt und Becks Wurzeln ausgräbt, die da angesiedelt sind, wo Suff, öder Alltag und bäuerlicher Weltschmerz an der Tagesordnung sind.

So fängt die Platte dann auch mit einer typischen "Grashalm-Im-Mund-Ballade" an. "The Golden Age" erzählt von Ausbrüchen aus einer geregelten Welt. "The sun don’t shine / even when it’s day / you got to drive all night / just to feel like you’re okay." Man merkt: hier hat jemand keine rechte Lust, sich aus der Monotonie zu befreien. Der zweite Song "Paper Tiger" ist ein musikalisch grosszügiges, schönes Liebeskummer-Stück, das durch epische Streicher und mächtig viel Cello wunderlich-andersartige Atmosphäre in die bestehende Melancholie zaubert, sprich eine völlig neue Erfahrung im Beck Universum. Dasselbe Prinzip findet man in "Lonesome Tears", "It’s All In Your Mind" und "Round The Bend", eigentlich immer ganz gelungen. Dazwischen: Cowboy-Elegien, die als Bindeglied zwischen jenen dramatischen und mitnehmenden Stücken fungieren. Hier hat sich jemand verändert, ohne seine Ursprünge zu verraten. Hier wurden Songs geschrieben, die den Widerspruch zwischen Belanglosigkeit und Bedeutungsschwangerschaft auflösen und die Kluft zwischen Stillstand und Bewegung schliessen. Beck wirkt reifer denn je, aber vielleicht war er auch noch nie so resigniert. Seine lustlose Stimme, die einem morgendlichen Brummen nahekommt, nimmt den freudigsten Melodien ihre Wirkung, entkräftet jeden positiven Klang. Im grossartigsten Song dieser Platte "Sunday Sun" nimmt diese Melancholie schon beinahe goth-artige Züge a la Type O Negative (deeeeeaaaad ) an: Chöre, Schnee-Geräusche, grosse, düstere Atmosphäre. Der letzte Song auf Sea Change, "Side Of The Road" konfrontiert einen mit Langeweile, die beinahe einschläfernd wirkt. Als Ausdrucksmittel taugt es allemal...

...denn das ist ein Album für apathische Stunden, in denen man sich nichts sehnlicher wünscht als den Schlaf. Beck hat an der Seite vom Radiohead-Produzenten Nigel Goderich ein Album geschaffen, das sowohl alter als auch neuer Fans Herzen erobern könnte. Goderich hat jeden Song in warme, weiche Töne gekleidet, wie man sie auch bei Radiohead findet. Fazit: Schöne Momente, langweilige Momente, viel Emotion, aber auch viel Monotonie. Zu gut um Fahrstuhlmusik zu sein, aber nicht gut genug, um als Meisterwerk durchzugehen. Überhaut nicht vergleichbar mit seinen quirligen Vorgängeralben. Immerhin: Respekt für einen Künstler, der sich über die Jahre Individualität und Qualität bewahrt hat.

7/10

Hörproben
Third Eye