|
Amen |
We Have Come For Your Parents |
Auf dem Cover sieht man junge Menschen vor rotem Hintergrund mit schwarze Roben, ernste Minen und blutigen Äxten. Wahrscheinlich einen Haufen New Metal-Jünglinge auf Limp Kornknot-Pfaden und natürlich mit ganz viel "attitude". Laut Credits wurde das Album dann auch von keinem geringeren als dem Godfather des Nüüü Metals Ross Robinson produziert."...da fährst du auf dem völlig falschen Gleiss" meinte ein guter Freund von mir und legte die Cd in den Player. Und er sollte recht behalten; Was mir da aus den Boxen entgegendröhnte, war definitiv kein New Metal. Stattdessen überfiel mich Hardcore in allerfeinster Qualität. Soundmässig ist es rotzig. Gitarren, Bass und Schlagzeug klingen nach dreckigem Punk, spielen aber eher Hardcore. Shellac haben sie auch irgendwann schon mal gehört. Dann der Gesang: solide Paranoia trifft auf grenzenlose Wut. Vergleiche? Wenn bei Zack De La Rocha die Stimme vor Zorn ins Kreischen umkippt, klingt das ein wenig wie bei Amen. Nun hinken natürlich alle Vergleiche: Amen klingen nicht annähernd so trocken wie Shellac und bei weitem nicht so groovig wie Rage Against The Machine. Wie schon erwähnt, hat man es hier mit einem Hardcore-Punk-Bastard der ganz rotzigen Art zu tun. Geradliningkeit war gestern - viel zu komplex ist, was da aus den Lautsprechern quillt. Schnelle, schräge Breaks, ein Zusammenspiel der beiden Gitarren, das mehr als einmal haarscharf an völliger Dissonanz entlangschlittert. Und immer wieder diese Stimme. Amen haben Wut im Bauch, viel Wut. Wut auf Calvin Klein und das Modediktat, Wut auf die Gesellschaft, das System, die Kirche, eigentlich auf alles. Und was macht man mit aufgestauter Wut? Richtig...man schreit sie heraus, laut, direkt, ungeschönt. Amen sind roh, gewalttätig und brachial. Und das auf einem Major-Label. Geschliffen wurde hier nichts, die Kanten sind zu scharf, zu oft schmerzt das Zuhören, zu deutlich sind die Texte. Der Anfang der Scheibe legt die Messlatte verdammt hoch. Nach ungefähr der Hälfte der Platte musste ich allerdings sehr zum bedauern feststellen, dass den Jungs die Luft ausgeht. Nein, sie nehmen nicht den Fuss vom Gas und werden langsamer. Gerade DAS ist wohl der Haken...nach einer halben Stunde Geprügel sehnt man sich nach etwas Abwechslung. Und leider nicht nur das: Das letzte Drittel fällt merklich ab. Die Songs wirken einfallsloser, haben weniger Biss. Nach 44 Minuten ist die Platte vorbei, der Zauber leider schon etwas früher. Schade eigentlich...trotzdem, eine mehr als schöne Platte zum Aggressionsabau. Wer auch nur ein bisschen Interesse an Hc-Punk hat sollte sich die Scheibe sichern...ihr werdets nicht bereuen. 8/10 Hörproben |
|
| Third Eye | |